Karl und Roswita Berger aus Ferchshausen – besser bekannt
unter dem Namen „Duo Berger“ - stehen seit nunmehr zwanzig
Jahren ununterbrochen auf der Bühne des urigen Lokals „Zum
Hirschkrug“. Und jeden Abend spielen sie exakt die gleiche
Mischung aus Rock, Folk, Soul, Funk, Country, Rap und Blues (sowie
einer Brise Ethno-Pop), die sie auch weit über die Dorfgrenzen
von Ferchshausen hinaus bekannt machte. In den Hochzeiten –
etwa um 1988 – pilgerten bis zu 1800 Musikfans aus den Nachbardörfern
in den „Hirschkrug“, um das populäre Rockduo einmal
live zu erleben. „Die Hütte war damals oft bis zum bersten
voll“, erinnert sich Karl Berger. Die Stimmung? „Einfach
unbeschreiblich. Die Fans rasteten richtig aus, wollten immer wieder
eine Zugabe“, schwärmt er fasziniert - so als wäre
es gestern gewesen.
Auf den ganz großen Ruhm hatte das „Duo Berger“
jedoch verzichtet. Und dies aus völlig freien Stücken
– worauf ihre Fans natürlich besonders stolz sind. Dabei
winkten durchaus lukrative Angebote. Die Landesortsgruppe der FDP
wollte sie fest für die Dauer einer Legislaturperiode engagieren.
Auch diverse Sport- und Kulturvereine hätten die beiden gern
auf längere Sicht gebucht. Reinhold Lenz, der Bruder von Roswita,
besaß sogar einen heißen Draht zu RTL. „Ganz groß
raus gekommen wären die beiden“, erzählt er uns
bei einem frisch gezapften Pils und einem Stück Apfelkuchen.
Doch Karl und Roswita, die auch privat ein Paar sind, lehnten dankend
ab. Ihre Bodenständigkeit war ihnen einfach wichtiger. Sie
wollten nicht, dass der Kontakt zu den Fans (zur "Basis"
– wie es Karl so wunderschön immer ausdrückte) abriss.
In Ferchshausen da fühlten Sie sich wohl. Man kannte sich.
Niemand hier brauchte sich etwas zu beweisen.
Am Jubiläumstag gilt ihr ganz besonderer Dank ihrem heimlichen
Entdecker und Förderer dem Schankwirt Lutz Starke. „Den
Karl kannte ich schon seit seiner postembryonalen Phase“,
erinnert sich Starke. „Sehr früh habe ich sein einzigartiges
Talent und sein Gespür für ehrlichen Rock entdeckt. Und
auch die Roswita konnte ich davon überzeugen, mit der Buntglasmalerei
aufzuhören und sich stattdessen mit dem Karlchen zusammen zu
tun. Die beiden waren nun mal ein richtiges Rockerpärchen.
Sie hatte den Blues im Blut, und der Karl besaß als erster
im Ort ein schnittiges Motorrad.“
Auch zwanzig Jahre später macht ihnen das Rocken in stickiger
Kneipenluft und bei saunaähnlichen Temperaturen nach wie vor
„tierischen Spaß“ - beim Wort „tierisch“
zwinkert Roswita in Anspielung auf ihren vierbeinigen Freund den
Dackelrüden Kelly, der seit 10 Jahren keinen einzigen Auftritt
der beiden versäumt, leicht schelmisch mit dem rechten Auge.
Dabei stört es sie nicht im Geringsten, dass ihre Fans immer
und immer wieder die gleichen Songs verlangen. Hits wie „Rock
im Regen“, „Sommerwind“ oder „Affe zu, Klappe
tot“ (ein ironischer Seitenhieb auf die Redewendung „Klappe
zu, Affe tot“. Der Text handelt von einem alkoholisierten
Schimpansen in der Großstadt) haben auch nach zwei Dekaden
nichts von ihrer ursprünglichen Frische eingebüßt.
„Ein guter Song ist eben zeitlos und überlebt sämtliche
Trends“, findet Karl.
Genauso zeitlos wie das „Duo Berger“ selbst. Und darauf
sind sie hier besonders stolz: Die Ferchshausener, Schankwirt Lutz
Starke und nicht zuletzt Karl und Roswita selbst. Zum 20jährigen
Bühnenjubiläum schenkte Starke dem Duo übrigens eine
etwas possierlich anmutende Stehtischlampe mit der Zahl „20“
drauf.
